Arbeitsplatzgestaltung

Die Zukunft der Büros ist farbig

Farben, Formen und Materialien tragen wesentlich zum Wohlbefinden des Menschen bei. Lange Jahre wurde Farbe für die Arbeitsplatzgestaltung für eine inspirierende Büroatmosphäre stiefmütterlich behandelt. Heute gilt sie als wichtiges Instrument für „visuelle Ergonomie“ im Büro. Was können aber Büromöbelhersteller, Innenarchitekten und Planer zu einer durchdachten Farbgestaltung beitragen?

Mitte Dezember letzten Jahres war es wieder einmal so weit. Das Forschungsinstitut von Pantone ernannte „Greenery“ zur Farbe des Jahres 2017. Der frische gelbgrüne Farbton soll das Wiedererwachen der Natur im Frühling symbolisieren. Gleichzeitig ist er Sinnbild für Neuanfang und neues Leben, aber auch eine Verbindung zwischen Technologie und Innovation. Vor allem steht „Greenery“ für die Sehnsucht nach Einfachheit, Frische und Erholung in einer Zeit der Urbanisierung und Komplexität. Auch für Innenarchitektin Carina Hölzer, Planerin bei König +Neurath, genießt „Grün“ eine hohe Akzeptanz. Die Farbe symbolisiert für Carina Hölzer „Natur und Nachhaltigkeit sowie Gesundheit und Regeneration“ .

Die Kombination von Farbe und Material, Form und Marke spiegeln den Charakter und Spirit eines Unternehmens wider, so Carina Hölzer.
Die Kombination von Farbe und Material, Form und Marke spiegeln den Charakter und Spirit eines Unter-nehmens wider, so Carina Hölzer.

Die Wahl kam nicht überraschend. Bereits vor fünf Jahren prognostizierten die Farbexperten von BASF, dass „Grün“ eine neue Bedeutung gewinnen würde, weil das Thema Ökologie nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft besitzt. Und das Thema Gesundheit, das auch für den Lebensraum Büro von zentraler Bedeutung ist. „Grün“ liegt, so die letzte imm, auch beim Interieur Design im Trend. „Wir kommen immer mehr dahin,“ sagt der Farbexperte Axel Venn, „das Zuhause als Ort der Erholung und des Wohlfühlens zu sehen.“ Auf der ORGATEC präsentierte König +Neurath die Konzeptstudie „K+N BALANCE.OFFICE“, eine kompakte Steh-Sitz-Lösung, die nicht nur eine betont organische Formensprache aufweist, sondern durch stilisierte, grüne Blattelemente die akustische und visuelle Abschirmung unterstützt. Wir sprachen mit Carina Hölzer, warum Grün so attraktiv ist und was sie als Innenarchitektin zum „Feel Good“ in Büros beitragen kann.

Die Trendfarbe erobert auch die Kommunikationszonen im Open Space. Ein Beispiel liefert das modulare Mittelzonen-Konzept NET.WORK.PLACE.
Die Trendfarbe erobert auch die Kommunikationszonen im Open Space. Ein Beispiel liefert das modulare Mittelzonen-Konzept NET.WORK.PLACE.

Frau Hölzer, in einer Wohnung spielen Farben eine bedeutende Rolle. Auch im Büro entdecken wir eine wachsende Lust nach mehr Farbe. Ist das Büro das neue Zuhause?
Carina Hölzer: Privates Leben und Arbeiten wird mehr denn je als eine Einheit betrachtet. Ich kann das für mich nur bestätigen, weil ich nur schwer zwischen Arbeits- und privater Zeit trennen kann. Die äußeren Farbwelten stellen für mich immer einen Spiegel der Gedankenwelt im Inneren der Menschen dar. Denke Sie nur an Redewendungen wie „schwarzmalen“ oder durch „die rosarote Brille schauen“. Bin ich motiviert und glücklich, erachte ich mein Tun als sinnvoll und habe Spaß dabei, dann fühle ich mich wie zuhause. Hat das aber etwas mit der Farbe meines Schreibtisches oder meines Stuhls zu tun? Lasse ich psychisch die Sonne rein, dann interagieren Innenwelt und Außenwelt und ich kommuniziere mit dem eigenen Leben. Wenn es also immer bunter wird in unseren Büros, dann schließe ich daraus, dass wir Menschen unser Innen und Außen im positiven Sinne in Balance bringen wollen.

Wenn wir von Ergonomie im Büro sprechen, sprechen wir in der Regel von Stühlen und höhenverstellbaren Tischen. Gibt es so auch eine visuelle Ergonomie?
Carina Hölzer: Farbe ist dann ergonomisch, wenn sie der Funktion einer Arbeitsumgebung oder eines Möbels dient. Das kann z.B. in der Innenarchitektur im Zusammenhang mit Farbleitsystemen geschehen, um sich in der Bürofläche zu orientieren oder bei der farblichen Akzentuierung von Bedienelementen bei Möbeln, um sie visuell gut und schnell erfassen zu können. Farbe kann also ordnen, leiten und Struktur geben.

Farben wirken auf den Menschen, sowohl psychisch wie physisch, müssen aber auch die Anforderungen an den Arbeitsplatz und die Wünsche von Unternehmen nach identitätsstiftenden Räumen transportieren. Was können Büromöbel dazu leisten?
Carina Hölzer: Büromöbel können dem Menschen in Farbe, Form und Funktion dienen und ihn bei der Erledigung seiner Tätigkeiten und Aufgaben unterstützen und begleiten. Ein klassischer Bürotisch sollte in der Wahl der Farbe (Reflexionsgrad etc.) meiner Tätigkeit sowohl psychisch als auch physisch angemessen sein. Dafür gibt es DIN-Normen und ein Regelwerk, die diese Anforderungen im Detail beschreiben.

Mehr leisten Büromöbel nicht, als dass sie Normen erfüllen?
Carina Hölzer: Als Hersteller greifen wir natürlich Trends und zeitaktuelle Wünsche der Nutzer auf und bieten z. B. bei den Oberflächen wie Furnieren oder auch Kunststoffoberflächen das eine oder andere Dekor oder spezielle Hölzer, gekalkte oder gebeizte Nuancen an. Das Grundsortiment bleibt aber bestehen. Aus meiner Erfahrung wird der klassische Arbeitsplatz, also die Kombination aus Tisch, Stauraum und Drehstuhl immer noch gerne zurückhaltend und klassisch gewünscht. Trennelemente, dritte Ebene oder dekorative Organisationselemente akzentuieren das Bild mit Farbe. Loungebereiche, Aufenthaltszonen und auch Kommunikationsflächen werden gerne farbig und lebendiger gestaltet, um damit Ambiente zu schaffen. Hier wird es in der Tat auch außerhalb von „Google“ zunehmend bunter und fröhlicher!

Abseits von Grün, fällt Ihnen ein bestimmter Farbtrend bei der Büromöbelgestaltung auf?
Carina Hölzer: Mir fällt der Trend zur Vielfalt in Farbe und Form auf und die unterschiedlichen Mixtrends – es wird viel experimentiert und kombiniert. Wir werden mutiger und der Wunsch zum individuellen Selbstausdruck findet immer neue Weg. Solche Trends sind aber nicht neu! Neu sind wahrscheinlich die Art und die Schnelligkeit, in der wir im digitalen Zeitalter davon Kenntnis nehmen und zum nächsten Trend übergehen.

Frau Hölzer, wir bedanken uns für das Gespräch.