Future of work: Tschüss, nervige Meetings!

Christian Reilly, 43, verantwortet die technologische Strategie der Workspace Services von Citrix Systems. Das Software-Unternehmen macht Anwendungen und Daten virtuell verfügbar. Reilly lebt in Manchester.

Christian Reilly ist Innovations-Experte des US-Software-Herstellers Citrix. Ein Gespräch über mobile Büros, Kaffee kochende Roboter und den automatisierten Konferenztisch, das wir mit freundlicher Genehmigung des Verlages Red Bull Media House veröffentlichen.

Herr Reilly, über 400.000 Organisationen und 100 Millionen Anwender nutzen weltweit Technologien Ihrer Firma. Frage an den Experten: Wie wird das Büro der Zukunft aussehen?
Christian Reilly: Einerseits gleichen Büroräume mit ihren offenen Kommunikationsorten bereits jetzt eher Startup-Unternehmen. Andererseits werden Home Office, Desktop-Hopping und flexible Arbeitszeiten die Anwesenheit im Büro ersetzen. Viele Firmen bieten ihren Mitarbeitern schon jetzt mobilen Zugriff auf ihre Apps und Daten. Der klassische 9-to-5-Bürojob wird verschwinden.

Arbeiten wir dann weniger?
C.R: Ich bin nicht sicher, ob wir weniger arbeiten. Aber: Wir werden smarter arbeiten.

Was heißt das?
C.R: Smarte Technologie hilft zum Beispiel, sich unterwegs die Zeit besser einzuteilen: Statt auf To-do-Listen vertraue ich auf Task-Management-Apps, die auf allen Devices updatebar sind. Meine Smartwatch informiert mich, wenn es etwas Neues gibt, sodass ich mich voll und ganz einer Tätigkeit widmen kann. Auch Videokonferenzen werden immer populärer.

Apropos: Kann das Internet der Dinge diese vielen so nervigen Meetings endlich produktiver machen?
C.R: Ob große oder kleine Unternehmen – alle beklagen die Ineffizienz von Meetings. Multipliziert man die klassischen zehn Minuten Verspätung mit der Teilnehmerzahl und den Meetings pro Tag, ergibt sich eine Menge unproduktiver Zeit. Für mich ist der Smart Meeting Room der heilige Gral des Smart Office. Das Ziel: das virtuelle Meeting weitgehend zu automatisieren. Der Vorteil: Die Teilnehmer werden erkannt, mit den benötigten Materialien ausgestattet, das Meeting beginnt sofort. Noch steht die Beziehung zwischen Internet der Dinge und Büro allerdings an ihrem Anfang.

Ein weiteres spannendes Thema ist Virtual Reality. Wann kommt diese Technik in unseren Büros an?
C.R: Global agierende Designer bringen ihre Teams bereits jetzt virtuell zusammen und arbeiten gemeinsam mit ihren Kunden an Projekten. Außerdem sinken die Kosten für die Entwicklung von Virtual Reality, was den Prozess noch weiter beschleunigt.

Kommunizieren wir bald mit künstlicher Intelligenz?
C.R: Ich glaube, die nächste Generation der Kommunikation Mensch–Maschine wird sich der Stimme bedienen. Verabschieden wir uns von der Vorstellung, dass wir vorm Bildschirm sitzen und mit Maus und Tastatur eine App steuern. Wir werden sie in Zukunft einfach fragen.

Sie glauben also, dass Bots in Zukunft Apps ersetzen?
C.R: Apps werden vielleicht nicht ersetzt, aber sie werden neue Prozesse mit neuen Interaktionen vereinen. Ich glaube an das Konzept des virtuellen Assistenten, mit dem wir uns unterhalten. Er arrangiert unseren Kalender, erledigt unsere Suchanfragen …

… und stellt uns den Kaffee auf den Tisch?
C.R: Vielleicht. Ein Roboter könnte ihn pünktlich auf die Minute bringen, weil er von unseren Handlungsmustern lernt. In einem japanischen Hotel übernehmen Roboter schon jetzt Check-in und Putzdienst. Die Frage wird sein: Wie viele der generierten Daten können tatsächlich für A. I. genutzt werden? Roboter werden unsere Büroarbeit unterstützen, ich denke aber nicht, dass sie Menschen am Arbeitsplatz jemals werden ersetzen können.

Neben Ihrer Arbeit im Tech-Business legen Sie regelmäßig als DJ auf. Was können Büro-Technologien von der Musikindustrie lernen?
Der Knackpunkt ist Zugänglichkeit. Wenn du einen Song magst, musst du nicht mehr das ganze Album kaufen. Im Bürokontext heißt das: Von den fünf Generationen an Mitarbeitern benötigt nicht jeder die gleiche Software. Außerdem lehrt die Musikindustrie, dass wir uns dem Markt schnell anpassen müssen.

Blüht dem PC dann das Plattenspieler-Schicksal: als hippes Nischenprodukt für Retro-Fans?
Wie in meinem Musikzimmer wird auch am Markt Platz für mehrere Geräte bleiben. Unsere Tendenz hin zur Cloud ermöglicht, dass wir Software, Daten, Musik nicht bloß auf einem Gerät verwenden müssen. Eliminiert das den Desktop? Wohl kaum. Zumindest wird noch etwas Zeit vergehen, bis hunderte von Millionen PCs auf der Welt zum Nischenprodukt werden.

Wie bleibt man immer am neuesten Stand der Technik?
Die Generation der Digital Natives ist mit der Neugier geboren, auf Trends wie Snapchat aufzuspringen. Ich sage: Ein Millennial zu sein ist ein Geisteszustand, den jeder erreichen kann – wenn er nur neugierig bleibt.

https://www.redbulletin.com/de/de/innovator/christian-reilly-uber-die-buros-der-zukunft

Text: Florian Wörgötter
Foto: Alex de Mora

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