Gestaltung von Räumlichkeiten nicht unterschätzen


Bildung und Weiterbildung bleiben auch angesichts der aktuellen Zuwanderung von großer Bedeutung für Unternehmen. Der Trend zur zunehmenden Alterung der Bevölkerung kann durch ihren gegenwärtigen Anstieg jedenfalls nicht umgekehrt werden – so das Statistische Bundesamt. Umso wichtiger wird es, Mitarbeiter arbeits- und leistungsfähig zu erhalten, wie Prof. Dr. med. Joachim E. Fischer, Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health der Universität Heidelberg glaubt. Eine Rolle spielen dabei auch „produktiv förderliche Arbeitsplätze“.

Deutschland altert und braucht seine „Alten“. Daran ändert auch die hohe Zuwanderung wenig. Der Altersaufbau wird in den nächsten drei Jahrzehnten die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland voraussichtlich stärker prägen als der Saldo von Zu- und Fortzügen. Gleichzeitig fordert der Wandel zur Informations- und Wissensgesellschaft und die Umsetzung von Industrie 4.0 immer schnellere Anpassungsleistungen sowohl vom Bildungssektor als auch von den Wissensarbeitern selbst. Der Stress am Arbeitsplatz wird also im 21. Jahrhundert nicht abnehmen; das Austarieren von Arbeit und Freizeit zur Daueraufgabe. Antworten, wie das Lernen der Zukunft aussehen könnte und wie auch „Alte“ fit bleiben, gibt alle zwei Jahre Europas größte und wichtigste Bildungsmesse, die didacta. Die Messe ist Treffpunkt für Trainer, Berater, Coaches und Personalentwickler. Dass die „Alten“ für Unternehmen keine Lückenbüßer, sondern Gold wert sind, wenn man ihre Kompetenz fördert, davon zeigt sich Prof. Dr. med. Joachim E. Fischer überzeugt. Er forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Gesundheit von Beschäftigten.

K+N City News: Herr Prof. Fischer, wie steht es um die Wertschätzung älterer Arbeitnehmer in Deutschland?
Prof. Fischer: Das ist im Wandel. Es gibt Unternehmen, die sich aktiv darum bemühen, die Arbeitsfähigkeit der älteren Beschäftigten zu erhalten. Wir sehen anhand von Unternehmensbefragungen, die wir regelmäßig durchführen, dass ältere Mitarbeiter immer mehr geachtet werden. Das war vor zehn Jahren anders. Daraus entnehme ich, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, bereits vorhandene Mitarbeiter arbeits- und leistungsfähig zu erhalten. Sie sind sozusagen das Gold, was man schon im Unternehmen hat, aber noch ausgraben muss.

Was zeichnet ältere Arbeitnehmer unabhängig von ihren fachspezifischen Kompetenzen aus?
Ältere Arbeitnehmer sind anders als jüngere Arbeitnehmer. Unbestreitbar hat man mit 55 nicht mehr die gleiche körperliche Kraft wie mit 25. Das ist einfach Biologie. Wer mit schlechtem Gesundheitsverhalten nicht auf sich aufgepasst hat, merkt deutliche körperliche Verschleißerscheinungen. Das ist, was auf der ungünstigen Seite steht. Man muss sich aber fragen, ob in der modernen Wissensgesellschaft noch viel Kraft für die Arbeit notwendig ist. Die Arbeit hat sich dahin gewandelt, dass viele der Arbeitsbedingungen, die vor 10, 15 Jahren noch als ungeeignet für ältere Beschäftigte galten, nun anders eingeschätzt werden. Ein einfaches Beispiel ist die Sehstärke: Warum nicht einfach größere Bildschirme zur Verfügung stellen? Was wir zusätzlich in unseren Daten sehen, ist, dass älteren Menschen zunehmend wichtiger wird, ob sie sinnvolle Arbeit leisten und diese zu einem erfüllten Leben beiträgt. Die Menschen, die das über ihre Arbeit sagen können, haben erheblich weniger psychische Probleme und eine höhere Produktivität. Das finde ich einen interessanten Befund, weil das die Frage von Werten älterer Beschäftigter aufwirft. Wenn man sie darin gefördert hat, ihre Kompetenz zu erhalten, dann gewinnen sie zusammen mit ihrer enormen Erfahrung eine viel bessere Urteilskraft. Das ist auch der Grund, warum wir uns vor wichtigen Entscheidungen häufiger Leuten anvertrauen, welche die 50 schon hinter sich haben. CEOs von Unternehmen sind in Regel auch nicht 25.

Wie können es Arbeitgeber schaffen, dass sich sowohl ältere als auch jüngere Menschen am Arbeitsplatz wohlfühlen?
Es gibt kein einfaches Patentrezept, weil es eine Frage der Wertschätzung ist. Mit dem „Haus der Arbeitsfähigkeit“ des führenden Arbeitswissenschaftlers Juhani Ilmarinen im Kopf muss man sich als Unternehmensführung einige Fragen überlegen, um eine wertschätzende Haltung den Mitarbeitern gegenüber einzunehmen: Was kann ich dafür tun, dass sie psychisch und körperlich gesund sind? Was kann ich dafür tun, dass sie ihre Kompetenz und Motivation behalten? Was für eine Arbeitsumgebung kann ich schaffen? Wenn man sich diese Fragen beantwortet, kann es gelingen, dass man eine Arbeitsumgebung schafft, in der sich jeder wohlfühlen kann. Das geht sogar in produzierenden Betrieben.

Die Arbeitsumgebung umfasst also sowohl die räumliche Gestaltung als auch die Gefühlswelt der Arbeitnehmer?
Sie können die Gestaltung eines Raumes oder eines Arbeitsplatzes und wie sich ein Mensch darin fühlt, nicht abkoppeln. Wenn ich mich in einen überfüllten Raum mit 20 Leuten setze, die alle telefonieren und ich eine hoch komplexe Statistik programmieren soll, dann wird das nicht funktionieren. Wenn eine Struktur geschaffen wird, die Menschen anspricht, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Wohlbefinden und damit auch produktiv förderliche Arbeitsplätze entstehen. Dinge wie Anwesenheitskultur, Führungsselbstverständnis, Werte und Raumgestaltung sind wichtig. Wenn Mitarbeiter bei diesen Fragestellungen mit eingebunden werden, sieht man, dass es ihnen besser geht – sogar biologisch messbar. Man darf die Rückwirkung einer guten Gestaltung der Räumlichkeiten nicht unterschätzen. Forschungen zur Gebäudegestaltung zeigen, dass in der gesamtbetriebswirtschaftlichen Betrachtung nur fünf bis sechs Prozent der Ausgaben eines Unternehmens für das Einrichten von Büroräumen verwendet werden. Controller sparen an der falschen Stelle und merken nicht, dass es eben die Produktivität der Beschäftigten eher behindert als unterstützt. Man muss sich überlegen, was gut für die Mitarbeiter ist.

Quellen

http://www.didacta-koeln.de
http://www.bildungsklick.de

infoblock_bild Am Anfang jeder Neu- und Umgestaltung von Büroräumen steht eine genaue Analyse von Prozessen und Abläufen. Die Ermittlung des aktuellen und zukünftigen Flächenbedarfs und die Einbeziehung der neuesten ergonomischen Erkenntnisse (z.B. Steh-Sitz-Arbeitsplätze) bilden dabei einen Aspekt einer fundierten Planung. Erst im Zusammenspiel mit einem Beleuchtungskonzept, der harmonischen Abstimmung von Farben, Formen und Materialien sowie einer professionellen Akustik, die Decken, Wände, Fußböden und Einrichtung integriert, entsteht ein motivierende und leistungsfördernde Arbeitsumgebung. Die Spezialisten von König + Neurath entwickeln ganzheitliche Konzepte in 2D- und 3D-Visualisierungen, um Kunden einen realistischen Eindruck von ihren zukünftigen Büroräumen zu bieten. Erfahren Sie mehr unter www.koenig-neurath.de