New Work braucht einen Kulturwandel

Flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle, technisch unterstütztes mobiles Arbeiten sowie neue Formen der Zusammenarbeit stehen hoch im Kurs. Allerdings gehen die Meinungen hinsichtlich einer Veränderung der Unternehmenskultur zwischen Management und Arbeitnehmern noch deutlich auseinander. Das zeigt die IDG-Studie „Arbeitsplatz der Zukunft 2017“.

Der digitale Arbeitsplatz ist Dreh- und Angelpunkt jeder Digitalisierungsstrategie. Doch welche Faktoren spielen neben der physischen Arbeitsorganisation und der Raumgestaltung noch eine Rolle? Fest steht, dass es den „Arbeitsplatz der Zukunft“ nicht gibt, sondern nur individuelle Lösungen. Er ist mehr ein Versprechen auf die Zukunft sowie, je nach Standpunkt, ein Heilswort oder Kampfbegriff. „Arbeitsplatz der Zukunft“ heißt nicht nur selbstbestimmtes Arbeiten, sondern bedeutet oft auch den Verlust von Arbeitsplätzen. In seiner die Meinungen mobilisierenden Wirkung unterscheidet sich also der Begriff „Arbeitsplatz der Zukunft“ nicht von anderen Begriffen, die als Richtschnur des Handelns dienten oder noch dienen. „Innovation“ oder „Transparenz“ sind zwei weitere Heilswörter – letzteres nimmt inzwischen fast totalitäre Züge an. Denn Transparenz ist nicht nur die kleine, attraktive Schwester der Kontrolle, sondern sie führt auch zu einem Machtverlust.

Die Kunst des Spagats
Das erklärt in gewisser Weise, warum die IDG-Studie einen eklatanten Unterschied hinsichtlich der Frage aufzeigt, ob bei der Schaffung des „Arbeitsplatzes der Zukunft“ auch die Unternehmenskultur verändert werden muss. Während für knapp 62 Prozent der Mitarbeiter das die Voraussetzung für Gestaltung von New Work ist, glaubt das nur rund 34 Prozent der Manager. Und genau im richtigen Bewusstsein liegt für die Studie auch der Hase im Pfeffer. Unternehmen, die das Thema offensiv angehen, betonen beim Change-Prozess die Aspekte Mobilität, Kollaboration und Partizipation. Während Mobilität auf technologische Kompetenz abzielt, verweisen Kollaboration und Partizipation hingegen auf menschliche Verhaltensweisen und Einstellungen. Kollaboration und Partizipation verlangen Offenheit, Informationsaustausch, Teilhabe – eben Transparenz. Hier die Balance zwischen den unterschiedlichen Zielen zu finden, ist die Kunst bei der Umsetzung zukunftsfähiger Arbeitsplätze. „Die Mitarbeiter einzubeziehen ist das A & O von nachhaltig erfolgreichem Wandel und Innovation und die Basis dafür, dass neue Technologien den Mitarbeitern nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern von diesen auch genutzt und angenommen werden“, betont Constantin Klein vom Softwarehaus Freudenberg IT. Gebäude und Räume haben zwar einen starken Einfluss auf die Kommunikationskultur, aber sie sind nicht Basis, sondern Ergebnis von Kultur.

Die Studie steht kostenlos zum Download zur Verfügung:

http://downloads.freudenberg-it.com/slt.php?t=i07yo5.2pak03e



Hilfsprogramm für Unternehmen

Bücher über den Lebensraum Büro gibt es zuhauf. Dieses ragt in mehrfacher Sicht her-aus und es könnte zur Pflichtlektüre für Unternehmen werden. Der Titel „Officina Humana“ signalisiert bereits, dass es hier ums Ganze geht. So wie die „conditio huma-na“ nach den Bedingungen des Menschseins fragt, versucht „Officina Humana“ Antworten auf die Frage zu geben, wie Menschsein in den Zentralen der Leistungsgesellschaften möglich ist, in den Büros mehr dem Diktat der Effizienz und Produktivität gehorchen als dass sie ein Ort des Schöpfergeistes sind. Das Zweite: Die Gestaltung des Buches fällt aus dem Rahmen üblicher Sachbücher heraus. Das, was die Autoren Andreas Kulick, Christoph Quarch und Jan Teunen fordern, das Kreativität Schönheit braucht, findet sich in diesem Kompendium über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Arbeitsräumen wieder. In sieben Kapiteln nehmen die Autoren die Leser mit auf eine Reise durch Raum, Zeit und Geschichte. Das Büro der Zukunft muss sich zu einem Ermöglichungs- und Spielraum wandeln, so ihre These. Damit knüpfen sie an den großen Kulturhistoriker Johan Huizinga (Homo Ludens) an, der schon 1938 schrieb: „Mit dem Spiel aber erkennt man, ob man will oder nicht, den Geist“. Herausgeber des Plädoyers für mehr Geist in Büros ist der Arbeiter Samariter Bund Hessen. Erschienen ist es im Fachverlag av, Stuttgart.

ISBN 978-3-89986-272-0