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New Work braucht neue Formen der Führung

Agil, flexibel, schnell und vernetzt – die Digitalisierung verändert nicht nur Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle; sie verändert auch die Art und Weise, wie wir arbeiten. Selbstbestimmten, abteilungsübergreifenden Teams, die mit großer Autonomie Produkt- und Prozessinnovationen vorantreiben, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Aber wie lassen sich Unternehmen steuern, wenn Management „par ordre du Mufti“ nicht mehr funktioniert? Gehört agilen Teams die Zukunft?

Digitalisierung und Vernetzung traditioneller Industrien treiben die Wirtschaft an. Das schrieb der Bitkom zum Abschluss der Hannover Messe. Seit Ende 2016 entstanden in 12 deutschen Städten sogenannte „Digital Hubs“, in denen Großunternehmen, Mittel­ständler und Startups mit Wissenschaftlern und Investoren die digitale Transformation der deutschen Industrie vorantreiben wollen. Gelingt es damit, Boden gutzumachen? Laut BCG-Studie „The Most Innovative Companies 2016“ befindet sich kein deutsches Unternehmen mehr unter den Top Ten der innovativsten Unternehmen. Der Ratschlag der Berater: Um gute Ideen zu heben, braucht es schlanke Strukturen und agile Prozesse sowie eine barrierefreie Kommunikation über alle Ebenen hinweg.

Auch die Büromöbelbranche rüstet auf. Die Kernthemen auf ORGATEC 2016 hießen nicht umsonst Teamarbeit und Digitalisierung. Was sich die Branche unter „Internet der Dinge“ vorstellt, präsentierte z.B. König + Neurath mit dem K+N SMART.OFFICE, das Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung und Facility Management digital ver­netzt. So werden nicht nur intelligente, sondern auch wirtschaftliche und nachhaltige sowie gesundheitsfördernde und motivierende attraktive Arbeitswelten gestaltet.

Andere Hersteller präsentierten Möbel aus dem 3-D-Drucker. Das zeigt, dass sich nicht nur der Automobil-, Maschinen- und Anlagenbau, traditionell das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, auf den Weg gemacht hat, sondern das Thema mitten im Mittelstand angekommen ist.

Mehr Kooperation und Partizipation
Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für die digitale Transformation ist nicht die Ein­führung von digitalen Werkzeugen, die Digitalisierung von Produkten oder die Opti­mierung von Wertschöpfungsketten. Die intelligente Nutzung von Daten führt „nur“ zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen. Sie ist, wie das Zukunftsinstitut in seinem Report „Digitale Erleuchtung. Alles wird gut“, schreibt, primär „angstgetrieben und defensiv“ und verhindert nur das Schlimmste, weil es eben alle „machen“. Die digitale Transformation braucht eine andere Firmenkultur und einen neuen Führungsstil, um nicht nur Bestehendes besser zu machen, sondern auch „Neues“ hervorzubringen.

Davor schrecken immer noch viele Unternehmen zurück. Laut einer Ende April 2017 veröffentlichten Studie glauben sechs von zehn Fachkräften, dass aktuelle Führungs­muster und -stile den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht werden. Zwei Drit­tel der von StepStone und Kienbaum Befragten arbeiten nach wie vor in hierarchisch oder sogar stark hierarchisch strukturierten Organisation, die für schnelle Reaktionen ungeeignet sind. Knapp 60 Prozent der Befragten glauben zudem, dass veränderte Unternehmensstrukturen mehr Innovationen ermöglichen würden.

Dazu zählt eine offene Feedback- und Fehlerkultur auf der Führungsebene und agile Arbeits- und Managementmethoden. „Die Digitalisierung“, sagt Dr. Uwe Dumslaff von der Management- und IT-Beratung Capgemini, „ist weniger eine technische als vielmehr eine organisatorische Herausforderung.“ Vor allem die Einführung agiler Methoden, die aus der Softbranche stammen, leisten einen wichtigen Beitrag, um verkrustete Struk­turen zu aufzubrechen. Agile Methoden setzen auf Geschwindigkeit und Produktivität kleiner abteilungsübergreifender Teams. In ihrer Studie „Agile Innovation“ kommt die Unternehmensberatung Bain jedenfalls zu dem Schluss, „dass sich die Erfolgswahr­scheinlichkeit beim Einsatz agiler Methoden generell mehr als verdreifacht“ (www.bain.com/publications/articles/agile-innovation.aspx). Zudem würde sich in agilen Projekten die Entwicklungszeiten halbieren, die Teamproduktivität hingegen verdoppeln. Die Digitalisierung läuft also auf Hochtouren; jetzt kommt es darauf an, auch pyramidenförmigen Aufbau von Unternehmen zu transformieren.

Der K+N City News Tipp

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New-Work – Modeerscheinung oder mehr?
New Work ist einer der wichtigsten Trends in der Arbeitswelt. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Befinden wir uns bereits auf dem Weg zu New Work? Klar ist, New Work ist in aller Munde. Flexibilität, Raumgestaltungskonzepte, Mobilität und Arbeitszeitgestaltung sind wichtige Ausprägungen einer neuen Arbeitskultur, aber die zentrale Frage für die Autoren des Buches „New Work. Auf dem Weg zu einer neuen Arbeitswelt“ lautet, wie es Unter-nehmen gelingt, ihre Struktur und Kultur so zu verändern, dass am Ende die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit an schneller Veränderungen steigt. Auf Grundlage einer breiten empirischen Basis zeigen die Autoren Zusammenhänge von New Work und Unternehmenserfolg auf. Das Buch gibt Einblicke in die aktuelle New Work-Forschung, zeigt den Einfluss auf das Management auf und liefert im 3. Kapitel eine Reihe von Best Practice-Beispiele von geglückten New Work-Modellen. Das Handbuch für New Work-Potenziale richtet sich an Manager, Führungskräfte und Personalverantwortliche. Es ist im Verlag Springer Gabler erschienen.

ISBN: 978-3-658-16266-5