Drei von vier Beschäftigten in Deutschland wünschen sich flexiblere Arbeitszeitmodelle, so die kürzlich erschienene internationale Studie „Arbeitswelt der Zukunft“. Bergen aber Home Office und der stärkere Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik auch gesundheitliche Risiken?

Schadet das Home Office der Gesundheit?

Das Home Office gilt als ein Arbeitsmodell mit Zukunft. Arbeitnehmern profitieren von mehr Selbstbestimmung, größerer Flexibilität und einer besseren Work-Life-Balance. Arbeitgebern bietet es den Vorteil, keine Arbeitsplätze vorhalten zu müssen. So weit die Theorie. Jetzt zeigt eine neue Studie, dass das Home Office nicht nur freier, glücklicher und produktiver macht.

Für den Bitkom ist die Sache entschieden. Das Home Office wird bei vielen deutschen Unternehmen zum Alltag. Anfang Februar präsentierte der Digitalverband, der die Interessen von mehr als 2.400 Firmen der digitalen Wirtschaft bündelt, eine Studie, der zufolge vier von zehn Unternehmen mit einem steigendem Home Office-Anteil rechnen. Seit 2014 ist die Zahl der Mitarbeiter, die ganz oder teilweise von Zuhause aus arbeiten können, um 10 Prozent gestiegen. In 30 Prozent der befragten Unternehmen wird dieses Arbeitsmodell bereits angeboten – Tendenz steigend. Die Fortschritte der Digitalisierung sind also schon zu spüren.

Gerade vier Jahre ist es her, dass Yahoo-Chefin Marissa Maier ihre Mitarbeiter wieder heim ins Büro beorderte. Jetzt scheint IBM, ein Pionier moderner Arbeitszeitmodelle, dem Schritt zu folgen. So berichtete der Branchendienst „The Register“ vor wenigen Wochen, dass die Marketing-Mitarbeiter in den USA aufgefordert wurden, in einem der sechs Standorte zu arbeiten, weil so die Produktivität gesteigert werden könne. Wasser auf die Mühlen liefert den Befürworter des Präsenzmodells jetzt auch der Bericht „Arbeiten im digitalen Zeitalter „Working Anytime, Anywhere: The effect on the world of work“ der Arbeitsorganisation ILO und der Europäischen Stiftung Eurofond.

Die Studie untersuchte die verschiedenen Arten der Nutzung neuer Arbeitstechnologien und Arbeitsbedingungen außerhalb des Unternehmens aus 15 Ländern: reguläre Telearbeit von zu Hause aus, gelegentliche Telearbeit und ICT-mobile work. Dass die Autoren die Vorzüge des Home Office hervorheben, dürfte kaum weiter überraschen; dass sich allerdings alle drei Gruppen anfälliger für Krankheiten, Schlafstörungen und Stress zeigen als ihre Kollegen, die ausschließlich im Büro arbeiten, dagegen schon. 42 Prozent gaben an, dass sie unter Schlafstörungen leiden; bei den Büroarbeitern sind es nur 29 Prozent. Auch die Stressbilanz fällt für die mobilen- oder Homeworker negativ aus. 41 Prozent der hochmobilen Angestellten klagten über Stress, aber nur 25 Prozent der Büroarbeiter. „Die Studie belegt, dass der Gebrauch moderner Kommunikationstechnologien allgemein eine bessere Work-Life-Balance erreichen kann“, so Jon Messenger, Koautor der Studie. Um die Vorteile neuer Arbeitsmodelle jedoch zu nutzen, empfehlen die Autoren ein gesetzlich verankertes Recht auf Abschalten, wie es die französische Gesetzgebung bereits kennt.

Der K+N City News Tipp

Die Wiedergeburt des Büros
Unternehmen, die ihre Strukturen künftig nicht für Wettbewerber, innovative Start-ups und eine neue Generation an Freelancern öffnen, werden es schwer haben, in der Zukunft erfolgreich zu sein. Das geht aus einem aktuellen Bericht von „The Open Economy“ des Londoner Beratungsunternehmens „The Future Laboratory“ hervor. Die entstehende „Open Economy“, so der Bericht, wird sich durch eine enge Zusammenarbeit von Organisationen mit freien Mitarbeitern, die routinemäßige Einbettung von Start-ups und ihrer Innovationskultur in Unternehmen sowie eine neue Art der Kollaboration zwischen ehemaligen Wettbewerbern auszeichnen. Gleichzeitig wächst eine Generation an Mitarbeitern heran, die autonomer bestimmen möchte, wie, wo und wann sie arbeiten und diesen Stempel Unternehmen aufdrücken wird. Das klassische Büro und der Nine-to-five-Job wird dabei immer mehr zu einem Relikt der Vergangenheit.

Den vollständigen Bericht zur „Open Economy“ und die zentralen Aussagen zu „The rebirth oft the office“ finden Sie unter: www.samsungatwork.com/openeconomy